Man gönnt sich ja sonst nichts zu Weihnachten – außer einen Truthahn und einen Nobelpreisträger

Und genau das habe ich auch zusammen mit Birgit Käsbeck getan. Eric Kandel (Nobelpreisträger für Medizin) kam u.a. in Begleitung von Prof. Dr. Gigerenzer, Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth und Prof. Dr. Egle zu “unserer” Weihnachtsfeier im Maritim Airport Hotel Düsseldorf.

Ok, was noch zu erwähnen ist, dass es neben uns noch ca. 1.500 andere Gäste gab, die sich, wie wir, zum 7. internationalen Wissenschaftsforum “The Best of Neuroscience 2015″ angemeldet hatten, um viele neue und interessante Impulse mitnehmen zu können.

Die Veranstaltung drehte sich rund um das menschliche Gehirn. Wie kein anderes Organ weist es eine derartige Komplexität auf, und über kein anderes Organ kursieren so viel Vermutungen, Gerüchte, Mythen und Fehlinformationen. Deswegen beschäftigen sich Forscher unterschiedlicher Disziplinen, darunter Psychologen, Psychiater, Neurobiologen und ebenso auch Erkenntnistheoretiker und Philosophen mit der Struktur und Funktion des Gehirns. So ist es in der Zwischenzeit “salonfähig” geworden, dass diese Erkenntnisse nicht mehr nur zur Heilung von Patienten angewandt werden, sondern auch viele Impulse für die Weiterbildung, das “Lernen” neuer Fähigkeiten und der Entwicklung zukunftsorientierter Coaching-Konzepte liefern.

Hier ein kurzer Wrap-up der Inhalte:

Prof. Dr. Egle (Wie das Gehirn den Schmerz macht!) wußte zu berichten, dass das individuelle Schmerzempfinden bereits im Mutterleib geprägt wird und in unserem späteren Verlauf immer im Kontext verstanden werden muss. Was bedeutet, dass bspw. ein empathischer Arzt, Therapeut oder einfach Mensch durch passendes Setting und wertschätzende Sprache signifikanten Einfluss auf den Therapieerfolg haben kann. Interessant, dass das offensichtlich in unserer Schulmedizin noch nicht angekommen ist – warum eigentlich?

Prof. Dr. Büchel (Wie Wahrnehmung und Erwartung unser Handeln bestimmen!) hat in seinem Vortrag aufgezeigt, dass Wahrnehmung insgesamt nur sehr wenig mit dem zu tun hat, was wir fühlen, sondern vielmehr mit dem was wir erwarten. Wie die Macht der Erwartung wirkt, hat er sehr plakativ an Beispielen wie einer “Weinblindverkostung” unter ausgewiesenen Weinkennern oder dem “Placebo-Effekt” im Hinblick auf die Wirkung von Therapien und Medikamenten erläutert. Auch hier interessante Einblicke wie die Pharmaindustrie unser Medizinverständnis manipuliert.

Prof. Dr. Gigerenzer (Intuition und Führung!) sagt, dass Intuition im abendländischen Denken einst als sicherste Form der Erkenntnis galt, während sie heute als fragwürdige, fast naive Richtschnur des Handels belächelt wird. Er erörterte, dass intuitive Regeln oft nachweislich zu besseren Ergebnissen führen als komplexe Analysen, die auf einer negativen Fehler- und Angstkultur basieren. Somit rechnete er knallhart mit den sogenannten Eliten unseres derzeitigen Wirtschaftssystems ab. Zudem hätte er die Grenzen und Aussagekraft von Big Data mit der “Truthahn-Illusion” nicht besser auf den Punkt bringen können. Unser Fazit: sechzig Minuten Gigerenzer reichen aus, um die Absurdität unseres Bankensystems zu verstehen.

Prof. Dr. Dr. Roth (Wie das Gehirn die Seele macht!) formuliert als Sprungbrett seines Vortrages, dass das Gros der Menschheit die Seele in einem religiösen oder philosophischen Kontext betrachtet, der aber nicht wissenschaftlich belegbar ist. Die Ergebnisse seiner Forschung zeigen aber auf, dass die psychische Konstitution der Mutter einen direkten Einfluss auf die Psyche und die Persönlichkeit des Kindes bereits im Mutterleib hat – was wiederum, aus seiner Sicht, den Ansatz der bisherigen Psychotherapie komplett revolutionieren müsste. Das wirft natürlich auch ein neues Licht auf die bestehenden und gängigen Coaching-Ansätze im Markt.

Prof. Dr. Kandel (The Age of Insight / Das Zeitalter der Erkenntnis) machte mit uns eine Zeitreise in das Wien um 1900 mit den Hauptdarstellern Sigmund Freud, Gustav Klimt und Arthur Schnitzler. Er zeigte auf, wie die angesehensten Köpfe der Naturwissenschaft, Medizin und Kunst schon damals durch ihre interdisziplinäre Betrachtung eine Revolution in Gang setzen, die den Blick auf den menschlichen Geist und seine Beziehung zu Kunst verändern sollte.

Das Fazit:
Durch die geballte Ladung an Informationen und Erkenntnissen gab’s den weihnachtsfeierntypischen dicken Kopf gratis dazu – allerdings dieses Mal ohne Alkohol und mit positiven Nebenwirkungen.

Ich wünsche allen ein frohes Fest und ein spannendes Jahr 2016!

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