Welcome to the post-patriarchalischem Zeitalter!

In der letzten Woche nahmen wir, Birgit und ich, an einem Workshop an der Universität Witten/Herdecke mit den Professoren Arist von Schlippe und Dirk Baecker teil, der sich mit diesem Thema beschäftigte. Der Grundtenor lautete: Wir befinden uns in der post-patriarchalischen Epoche. Es geht um Auflösung und Neuordnung. Vielorts äußert sich das in einem fundamentalen Führungsvakuum, da die Mechanismen, die früher große Autoritäten hervorgebracht haben, sich fundamental geändert haben. Viele Unternehmen und ihre Entscheidungs-systematik befinden sich nach wie vor im Übergang bzw. Musterwechsel, wodurch eine große Unsicherheit entsteht. Zwar wurden alte Autoritäts-strukturen und das Verständnis von Autorität auf dem Papier neu definiert, jedoch noch lange nicht verinnerlicht und strukturell verankert. Folglich stellt sich die Frage, wie wird diese Entscheidungsunsicherheit überhaupt aufgefangen? Die Antwort lautet: oftmals gar nicht, vielmehr entwickelt sich das Phänomen der inversen Machtkämpfe verknüpft mit dem häufig auftretendem Symptom der “kalten Konflikte”, die sich wie ein unsichtbarer und lähmender Schleier über die Organisation und ihre Teams legen – auch gerne als “blocking action” bezeichnet. Der Satz “Das haben wir immer so gemacht” ist nur ein populäres Beispiel dafür.

Im Laufe der gemeinsamen Gespräche kamen noch weitere Fragen auf, die uns nach wie vor beschäftigen:

  • Ist Management eigentlich gleichzusetzen mit Führung? Oder besteht ein Unterschied?
  • Und worum geht es eigentlich bei Führung? Was macht sie so erstrebenswert?

Diesen Fragen klingen so einfach und sind vermeintlich schnell zu beantworten, aber wenn man mal anfängt, einen Moment darüber nachzudenken, kommt man eben doch ins Grübeln.

Des Weiteren sind wir einer Einladung zu einem Impulsvortrag von Carmen Thomas gefolgt, bekannt aus dem WDR Ü-Wagen, die seit mehr als 40 Jahren auch als Coach arbeitet. Sie referierte zu dem Thema “Betriebsklima als Führungsaufgabe”. In ihrem leicht skurrilen achtziger Jahre Vortrag, zumindest nach unserem Verständnis, verwendete sie dazu noch eine dieser typischen Metaphern, nämlich das Yin & Yang Bild. Zu unserer Überraschung aber hat sie es für sich auf eine sehr interessante Art und Weise interpretiert, um auch den langweiligsten und unscheinbarsten Gesprächspartnern wertfrei begegnen und selbst ihnen noch etwas positives abgewinnen zu können. Hierbei ging sie wie folgt vor:

Statt entweder nur schwarz oder nur weiß zu sehen, wie wir Menschen es sonst gerne tun, sollten wir uns an dem Yin & Yang Symbol orientieren, in dem sowohl weiß als auch schwarz als eine Einheit existieren. Zusätzlich sollten wir uns immer bewußt machen, dass es sich auch in dem dunklen Teil des Symbols immer ein weißer Fleck befindet, den es zu finden gilt. Denn am Ende ist es immer die innere Haltung, die ein Mensch in sich trägt, die den Unterschied macht. Wir finden, dass es nicht nur als Führungskraft ein wunderbares Bild ist, um Mitarbeiter wertfrei zu begegnen, sondern auch eine schöne Losung für’s Leben darstellt.

Wir bedanken uns für zwei inspirierende Veranstaltungen und jeder Menge neuer Denkanstöße. Wir werden sie im Sinne von “verwerten statt bewerten” in unsere Arbeit einfließen lassen.

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